Ausbildungsberuf "Hufschmied"

Pferde Spiegel 4/2008

Im Fachspiegel "Pferde Spiegel 4/2008" veröffentlichte Dr. med. vet. Kai-Michael Kreling vom Hofgut Kreling in Waldalgesheim folgende Information unter dem Titel:
Einführungslehrgang für angehende Hufschmiedinnen und Hufschmiede

Im Zuge des neuen Hufbeschlagsgesetzes und der Verordnung über den Beschlag von Hufen und Klauen wurde die Ausbildung der Hufschmiede neu geregelt. Ziel dieses Gesetzes ist es unter anderem, eine solide und vor allem auch spezifische Ausbildung für die in der Praxis tätigen Hufschmiedinnen und Hufschmiede zu vermitteln.

Die Ausbildung beginnt mit einem 4-wöchigen Einführungslehrgang (mindestens 160 Stunden Lehrgangszeit). Während dieses Lehrganges werden notwendige Grundlagen für die Aufnahme einer praktischen Tätigkeit in der Huf- und Klauenbearbeitung erarbeitet. Neben theoretischem Unterricht wird auch praktisch gearbeitet.

Der Einführungslehrgang soll vor der Aufnahme einer praktischen Tätigkeit, vor allem vor dem Praktikum, absolviert worden sein. Während der zwei folgenden Jahre wird im Praktikum, einer praktischen Zeit bei einem Hufschmied, das Notwendige für die tägliche Arbeit vermittelt. Abschließend folgt ein 4-monatiger Intensivkurs, der Vorbereitungskurs, in einer Hufbeschlagslehrschmiede, in der das Erlernte sowohl praktisch als auch theoretisch gefestigt und vertieft wird. Mit der Abschlussprüfung werden die Fähigkeiten in Theorie und Praxis in einer 2-tägigen Prüfung bescheinigt.

Einführungslehrgang

Theorie und Praxis werden in diesem Lehrgang unterrichtet. Der theoretische Teil des Lehrganges beschäftigt sich vor allem mit der Vermittlung von Kenntnissen der allgemeinen Biologie, der Evolution, dem Verhalten und damit den grundlegenden Reaktionsmechanismen der Huf- und Klauentiere. Der Lehrgang soll auch dazu dienen, die verschiedenen Nutzungsarten der Tiere zu erklären und den Umgang mit dem Tier erst einmal in der Theorie zu erläutern. Tätigkeitsbezogene Inhalte der Tiergesundheit, maßgeblicher Rechtsvorschriften, insbesondere in den Bereichen des Tierschutzes, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz geben eine Übersicht über die verschiedenen Aspekte der späteren Tätigkeit als Hufschmiedin oder Hufschmied.

Im praktischen Teil des Einführungslehrganges werden Grundfertigkeiten mit dem Tier, insbesondere dem Pferd, die Verwendung von Werkzeugen und der Einsatz von Materialien im Huf- und Klauenbeschlag vorgestellt. Übungen an Hufpräparaten sowie Demonstrationen des Hufbeschlages werden unter Einbeziehung der Lehrgangsteilnehmer durchgeführt.

Die Teilnahme an einem Einführungslehrgang ist ab dem 01.01.2009 in Rheinland-Pfalz Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung.

Hufschmiedeausbildung

Einführungslehrgang 160 Stunden
Praktikum 2 Jahre
Vorbereitungslehrgang 4 Monate = 420 Stunden praktische Zeit / 220 Stunden theoretische Ausbildung

Abschlussprüfung
Fallbericht: Ausführlich inkl. Bildern und Literaturnachweis
Schriftlich: 3 Stunden theoretische Fragestellungen
Praktische Tätigkeiten inkl. Vormustern/Beratung im Kundengespräch:
1. Heißbeschlag
2. Alternativer Hufschutz
3. Ausschneiden - Barhufbearbeitung
4. Anfertigung eines Mustereisens

Praktikumszeit

Nach einem absolvierten Einführungslehrgang kann die 2-jährige Praktikumszeit beginnen. Hier sollen die maßgeblichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten im Huf- und Klauenbeschlag mit dem Ziel erworben werden, sich in die Tätigkeit als Hufschmiedin oder Hufschmied einzuarbeiten und die wesentlichen Voraussetzungen zur selbstständigen Ausübung des Huf- und Klauenbeschlages zu erlernen. Dazu gehört auch das selbstständige Planen, Durchführen und Überprüfen der durchgeführten Tätigkeiten. Die Hufbeschlagsverordnung sieht dabei folgende Lernziele vor:

1. Ordnungsgemäßer und den Erfordernissen der Tiergesundheit und des Tierschutzes entsprechender Umgang mit dem Tier, insbesondere dem Pferd,

2. Beurteilen der Situation des Hufes oder der Klaue im Zusammenhang mit der Gesamtsituation des Tieres,
3. Beurteilen des Tieres im Stand und in der Bewegung - vor und nach der Bearbeitung,

4. Erkennen und Beurteilen von Anomalien des Hufes oder der Klaue, der Huf- und Gliedmaßenstellung und des Bewegungsablaufes,
5. Einsatz der Materialien und Umgang mit den Werkzeugen des Huf- und Klauenbeschlages,

6. Bearbeiten des Hufs und der Klaue zum Barhufgehen und Zubereiten des Hufs und der Klaue zum Beschlag unter
Berücksichtigung von Nutzungsart, Haltungsform, Gesundheitszustand und Alter des Tieres,

7. Herstellen, Bearbeiten, Anpassen und Befestigen von Hufschutzmaterialien und Klauenschutzmaterialien unter Berücksichtigung
von Nutzungsart, Haltungsform, Gesundheitszustand und Alter des Tieres,

8. Grundlegendes zur Zusammenarbeit mit dem Tierarzt,

9. Beratung und Information des Tierhalters,

10. Dokumentation und Abrechnung der Arbeiten und Qualitätssicherung,

11. Praktische Umsetzung der maßgeblich, berufsbezogenen Vorschriften, insbesondere des Tierschutzes, der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes, des Umweltschutzes und der Berufshaftung.

Die während der praktischen Tätigkeit erworbenen Fähigkeiten müssen durch einen Tätigkeitsnachweises in Form eines Berichtsheftes dokumentiert und durch die Unterschrift des Arbeitgebers bestätigt werden. In dem Berichtsheft soll der Ausbildungsfortschritt erkennbar sein und monatlich ein besonderer Fall ausführlich, möglichst mit Fotos und Literaturangaben, beschrieben werden.

Lehrgang an einer Hufbeschlagslehrschmiede

Vorbereitungslehrgang

4 Monate haben die Prüflinge nun Zeit, ihr Erlerntes zu festigen und zu ergänzen. Nicht nur die Praxis am Pferd, sondern auch die Theorie sind wesentliche Bestandteile des Lehrplanes. Die Inhalte sind die, die für den Praktikumsteil als Lernstoff schon aufgezählt wurden. Der Vorbereitungslehrgang findet an einer dafür zugelassenen Hufbeschlagslehrschmiede statt.

Abschlussprüfung

Bei einer Abschlussprüfung nach 4 Monaten in der Lehrschmiede wird in 2 Tagen der Lernstoff abgefragt. Ergänzend dazu wird in einer dreistündigen schriftlichen Prüfung theoretisches Wissen geprüft. Ein ausführlicher Fallbericht mit Fotos und einer Dokumentation anhand aktueller Literaturangaben bildet den dritten Teil der Prüfung.

Erfahrungen in Rheinland-Pfalz

Ein Jahr nach Einführung des neuen Hufbeschlagsgesetzes bzw. nach Einführung der Hufbeschlagsverordnung sind erste Erfahrungen in 7 Prüfungsterminen in Rheinland-Pfalz gemacht worden. Den Prüflingen bereiteten nicht die Durchführung des Hufbeschlages oder in der schriftlichen Arbeiten Schwierigkeiten. Probleme bereiteten immer wieder die mündlichen Fragestellungen am Pferd wie Stellungsbeurteilungen, sonstige anatomische Besonderheiten an Beinen und Hufen, Empfehlungen zur Materialwahl des Hufbeschlages und vor allem die Fähigkeiten in der Kommunikation mit dem ,Kundenn. Im Zuge der Ausbildung soll auch der Wandel
vom reinen Handwerker hin zum ,,Dienstleister Hufschmied" vermittelt werden. Die dazu nötigen Fähigkeiten wie Kommunikation,
Organisation und Maßnahmen zur Qualitätskontrolle sind oft nicht ausreichend vorhanden. Sie gehören zu den im Lehrplan aufgeführten und vor allem im späteren Berufsleben wesentlichen Punkte, die für eine erfolgreiche Tätigkeit zwingend erlernt werden müssen. Hier muss offensichtlich die Ausbildung noch intensiviert werden, um den gestiegenen Ansprüchen an den Berufsstand zu genügen.

Das Ziel, die Ausbildung zum Hufschmied/Hufschmiedin auf eine solide Grundlage zu stellen und mit detaillierten Lerninhalten und umfangreicheren Erfolgskontrollen auch zu untermauern, ist mit dem neuen Hufbeschlagsgesetz sicherlich möglich. Diese Ausbildungsrichtlinien müssen jetzt mit Leben gefüllt werden, damit das Ziel eines bestmöglichen Standards im Hufbeschlag flächendeckend erreicht wird.

Info zur Hufschmiedeausbildung für Tierärzte

- warum ?

Der Hufbeschlag ist heute, auch für uns Tierärzte, ein wesentlicher Faktor für den Erfolg unserer täglichen Arbeit. Durch den korrekten und der Sportart des Pferdes entsprechenden Beschlag wird die Belastbarkeit optimiert und damit ein erfolgreicher Einsatz des Pferdes ermöglicht. In einzelnen Fällen ermöglicht ein geeigneter Beschlag überhaupt erst die Verwendung als Reitpferd. Die Kooperation zwischen Hufschmied und Tierarzt ist in der Prophylaxe und speziell in der Therapie orthopädischer Probleme beim Pferd bei gestiegenen sportlichen Anforderungen wichtiger denn je. Wir Tierärzte sollten uns daher mit dem Berufsstand der Hufschmiede sehr eng verknüpfen und auch entsprechende Informationen zum Stand der Ausbildung eines Hufschmiedes haben. Nur so können wir die Möglichkeiten der Zusammenarbeit voll nutzen. Die Arbeit der orthopädisch tätigen Tierärztinnen und Tierärzte wird durch die Kooperation mit interessierten, kompetenten Hufschmiedinnen und Hufschmieden immer aufgewertet und trägt nicht selten deutlich zum Erfolg einer Therapie bei.